Abschiede - Manchmal ist es federleicht

Veröffentlicht am 21. Mai 2026 um 12:45

Manchmal ist es federleicht (21.05.2026)

Das Thema beschäftigt mich sehr. In Anlehnung zum Thema Glück möchte ich dieses aufnehmen und schreiben. Nicht nur lesen, sondern auch selbst mir Gedanken machen  in der Hoffnung, dass etwas neues entsteht.

 

Worttrennung Ab | schied

Aus dem Duden hat das Wort einige Verwendungsmöglichkeiten.

Rilke-Projekt "Bis an alle Sterne" (27.06.2026)

Abschied

Irgendwo blüht die Blume des Abschieds und streut immerfort Blütenstaub, den wir atmen, herüber;

auch noch im kommendsten Wind atmen wir Abschied.

 

Abschied von der sozialen Marktwirtschaft (19.06.2025)

Nicht unbedeutend für unser Leben ist die Tatsache, dass wir eine prägende Phase der Nachkriegszeit verlassen haben und in eine neoliberale Zeit gewechselt sind.

Dabei wird dem Kult des freien Marktes gehuldigt. Die Kapitalisierung der staatlich notwendigen und privaten sozialen Bereiche mit dem Ziel der Gewinnmaximierung und eine riesige Vermögensumverteilungswelle  prägen die letzten 30 Jahre. Gewinne werden von Geldgebern radikal abgeschöpft, Verluste gerade in Krisen zahlt die Allgemeinheit. 

Der Abschied fällt in eine Zeit von politisch prikären Krisen.

Der Abbau von Sozialleistungen setzt sich fort. Der Wähler wird im Unklaren gelassen, dass die Politik der Regierungen immer mehr nur die wenigen Reichen nützen wird.

Ein Abschied aber auch von verantwortungsvollen Politikern und Unternehmern.

Politische Skandale werden nicht mehr aufgearbeitet und verfolgt. Geheime Treffen von Ministern an fragwürdigen Veranstaltungen werden weggeredet. Anstand und Moral kommt nicht mehr vor. 

Im kleinen trägt die Mittelschicht und der kleine Bürger durch freiwillige Leistungen noch zum sozialen Miteinander und Frieden bei.

 

Abschied von der Erinnerung (15.06.2026)

 Harald Welzer schreibt in seinem Buch "Die smarte Diktatur": 

Menschliches Leben basiert nicht nur auf Erinnern, sondern vor allem auf Vergessen. Ein Gehirn ist ein höchst ökonomisches Organ, das alles, was nicht überlebensdienlich ist, aussortiert und dem Vergessen überantwortet...

Ein menschliches Gedächtnis ist selektiv und muss es sein, um Erfahrung, die für das weitere Leben und Überleben wichtig sind, von solchen unterscheiden zu können, die niemals mehr eine Rolle spielen werden.

Aber was ist, wenn man sich so gar nicht mehr erinnern kann? Was ist, wenn man Dement wird? Es ist ein Abschied von der Aussenwelt zum Leben.

Insofern bin ich jedesmal schockiert, wenn ich davon höre, dass jemand dement geworden ist. Kürzlich erzählte mir die Nachbarin von ihrem Mann, den ich sehr schätze, und der sich immer sehr akribisch um den Garten kümmert, dass Demenz bei ihm festgestellt wurde. Er kann es sehr gut im Gespräch verbergen, aber er vergisst täglich Dinge, die er erledigen wollte. Ausserdem hat er das Gefühl, er hätte keine Zeit mehr, sich darum zu kümmern (was aber nicht stimmt).

Das hat mich betroffen gemacht. Gerade meine Lieblingsfamilie aus dem Haus. 

Dieser Abschied ist entsetzlich. Er tut nicht körperlich weh und ist eher schmerzlich für die Angehörigen. Und da übertragen sich die Folgen einer Krankheit auf die nächsten Familienmitglieder und Freunde. Der langsame Abschied von Gemeinsamkeit, Erinnerungen, dem eigenen Leben.

Eine schwer zu akzeptierende Situation.

Ich gebe zu, ich habe mittlerweile Angst vor Krankheiten. Zur Verstärkung dieses Aspektes ist zu dagen, dass ich voller Erinnerungen in verschiedener Ausprägung bin und versuche, sie festzuhalten, je älter ich werde. Seien es die Fotos, Dias, Tagebücher und Notizen oder diese Interneseite. Uch möchte Festhalten und Bewahren und finde keinen Ansatz, das verlässlich und angemessen zu tun.

Irgendwas fehlt und irgendwas nimmt überhand.

oh diese Lücke, diese entsetzliche Lücke ... war der Kinofilm, den ich mir dieses Jahr angesehen habe. Vielleicht ein Thema unserer Zeit.

 

Abschied vom Glauben, von der Kirche(15.06.2026)

Die Kirche hat mir in der Jugend Kraft und Rückhalt gegeben. 

Im Gitarrenchor der Kirchengemeinde Herzkamp hat man sogar Gottesdienste mit gestaltet und es war ein sehr gutes Gefühl für diese Gottesdienste zu proben. Die Gemeinschaft mit anderen, das war für mich Kirche.

In Jugendgruppen haben wir Kirchentage besucht und sind haben Spieleabende mit den Konfirmanden gestaltet. Es gab eine grosse Verbundenheit zwischen uns und die Andachten und Gespräche gaben mir Halt und Haltung.

Doch wann war es vorbei mit dem Glauben? 

Genau weiss ich das nicht. Aber mein Kirchenaustritt geschah mit der Einführung des Solis nach der Wiedervereinigung. Es war eine monetâre Rechnung, die die Kirchensteuer gegen den Solidaritätszuschlag ausglich, ein Nullsummenspiel.

Den Glauben verlor ich leider mit der Erkenntnis, dass es zwar etwas göttliches geben müsste, die Kirche es aber nicht ist, ich meine göttlich. Kriege, Amts- und Kindermissbrauch, Skandale und die Reisen in andere Länder mit anderen Glaubensrichtungen haben meine Abkehr von der Kirche verstärkt.

Es gibt den Glauben noch, aber die Institution Kirche ist schwer für mich damit in Einklang zu bringen. Deshalb sollte es besser heissen Abschied von der Kirche...

Abschied von der Gesundheit (04.06.2026)

Vielleicht das grössts Handicap im Laufe des Lebens ist es, festzustellen, dass man krank ist.

Wenn dann etwas nicht mehr rückgängig zu machen ist, dann muss man sich davon verabschieden bestimmte Dinge nicht mehr tun zu können.

Mein neues Knie ist so ein Ding. Die Mobilität war weg und etwas kann unwiderruflich nicht mehr gemacht werden.

Wie gerne bin ich gewandert, gejogged, gelaufen, habe volleyball gespielt. Einiges ist nicht mehr möglich 

Wenn der Leidensdruck am Grössten ist, dann lässt man sich operieren. Und dann ist die Mobilität wieder hergestellt.

Abschied aus der Beziehung (29.05.2026)

Hatte es dazu kommen müssen? Wenn Du Dich fragst, warum, dann bist du noch im Prozess der Verarbeitung.

Wir haben eine große Zahl von Beziehungen, mit sehr vielen Menschen, aber es gibt oft die eine Beziehung, die wir Partnerschaft nennen. Wenn diese endet, dann geben wir eine Position auf, die uns das schöne im Leben versprach. 

Wir geben uns auf. Ich kann so nicht weiter machen. Es liegt an vielen Ursachen, die man nicht mehr beeinflussen kann.

Der Abschluss, die Trennung ist oft hart. Es bedeutet auch die Distanz zu wahren und sich nicht mehr zu sehen.

Wenn wir jetzt weiter gehen, dann beginnt ein neues Leben. Hast Du Dich nicht schon längst entschieden? Sei ehrlich.

Wir haben Kinder. Wir hatten schon alles, als wir uns begegnet sind. 

Wenn wir dann damit klar kommen, ist es gut.

Lebe wohl hast Du oft gesagt und das wünsche ich dir auch.

Die Kultur des Aufhörens (26.05.2026)

Harald Welzer beschreibt in seinem sehr persönlichem Buch die Erfahrung mit einem Herzinfarkt. Er knüpft damit ein Band zu unserer Gesellschaft. Ist logisch, weil er ein Prof der Soziologie ist.

Was mich aber gefesselt hat, ist die besondere Sicht auf die Dinge. Ich bin immer wieder überrascht, wie anders Harald Welzer denkt und wie im Gegensatz dazu die Gesamtmeinung sehr konformistisch dargestellt wird.

Unsere Kultur löst sich auf, weil niemand mehr an den Dingen festhalten will, die uns durch die Jahrhunderte geführt haben.

Auch ein sehr bedauerlicher Abschied von Werten.

Klappentext:

Bestseller-Autor Harald Welzer stellt fest, dass unsere Kultur kein Konzept vom Aufhören hat. Deshalb baut sie Autobahnen und Flughäfen für Zukünfte, in denen es keine Autos und Flughäfen mehr geben wird. Und sie versucht, unsere Zukunftsprobleme durch Optimierung zu lösen, obwohl ein optimiertes Falsches immer noch falsch ist. Damit verbaut sie viele Möglichkeiten, das Leben durch Weglassen und Aufhören besser zu machen. Diese Kultur hat den Tod genauso zur Privatangelegenheit gemacht, wie sie die Begrenztheit der Erde verbissen ignoriert.
Harald Welzer zeigt in einer Montage aus wissenschaftlichen Befunden, psychologischen Einsichten und persönlichen Geschichten, wie man aus den Absurditäten dieser gesellschaftlichen Entwicklung herausfindet. Man muss rechtzeitig einen Nachruf auf sich selbst schreiben, damit man weiß, wie man gelebt haben will.

Spontane Assoziationen (21.05.2026)

Abschied von ....

  • Menschen 
  • Orten 
  • Lebensweisen 
  • Gewohnheiten
  • Sachen 
  • Tieren
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  • Reisen 
  • Von sich selbst (Harald Welzer)
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  • Mut 
  • Verantwortung 
  • Ziele 

Abschied vom Beruf (25.05.2026)

Es ist interessant, dass es immer Gründe gibt bzw. etwas die Sache erleichtert, wenn man Abschied nimmt.

Im Beruf ist es die Tatsache, dass man immer mehr Kollegen vorab verliert, die vor einem das Unternehmen verlassen bzw.  in den Ruhestand gehen.

Die Zahl der Gleichgesinnten nimmt zunehmend ab und dann steht man fast alleine da mit seinen Erinnerungen und Erlebnissen, die einen das ganze Berufsleben lang getragen haben.

Mein Abschied fiel mir deshalb leichter. Es ist wie ein Entfernen der Erinnerung.

Abschied von den Eltern 

In den letzten Wochen sind die Mütter von zwei alten Freunden gestorben. Der Abschied von den Eltern ist wohl der schwierigste Abschnitt im Erwachsenenleben. Man verliert nicht nur einen geliebten Menschen, man rückt auch automatisch an die nächste Stelle in der Sterbefolge.

Wenn man bedenkt, dass man noch junge Eltern hatte, als man geboren wurde, dann verkürzt sich die Zeit bis zum eigenen Tod dramatisch.

Aber auch hier gibt es eine natürliche Hilfe in Form von Alterserscheinungen wie Krankheit, Beschwerden, Schmerzen und das dahin schwinden des Freundeskreises.

Und nicht zuletzt müssen wir den Tod, das Sterben als ganz normal akzeptieren.

Wir müssen dankbar sein, dass wir zusammen gelebt haben. Wir sollten es genießen, unsere Eltern gehabt zu haben oder noch zu haben und wir sollten selbst gute Eltern sein.

 

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